Halbwahrheiten & Mythen zu Zurrgurten – wir klären auf!

Im harten Alltag der Ladungssicherung wuchern Mythen zu Zurrgurten oft wilder als Unkraut, und leider führen falsche oder gar gefährliche Antworten in Seminaren immer wieder zu Verunsicherung. Beispiel: Darf dieser oder jener Zurrgurt nun verdreht sein oder ist das lebensgefährlich? Wir räumen hier mit den größten Irrtümern auf, damit Sie Ihre Ladung nicht nur mit gutem Gefühl, sondern mit absoluter Sicherheit ans Ziel bringen.

Mythen zu Zurrgurten - alle Fakten im Überblick

Der Zurrgurt: Ein treuer Begleiter ohne Verfallsdatum

Zurrgurt mit zwei Haken in Öse

Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass Zurrgurte wie Lebensmittel ein festes Ablaufdatum hätten. Man hört oft, das Material würde mit der Zeit spröde werden.

Die Wahrheit: Tatsächlich nagen UV-Strahlung, Frost und Regen an der Elastizität Ihres Gurtes.

Kein Verfallsdatum: Solange der Gurt keine Schäden aufweist, die ihn „ablegereif“ machen, gibt es kein festes Datum, an dem Sie ihn entsorgen müssen.

Gültigkeit: Diese Regel gilt für alle Ihre Hilfsmittel zur Ladungssicherung.

Darf man Hand anlegen? Das Kürzen der Gurte

Gerade bei Kleintransportern sind die Standardgurte oft viel zu lang – man kämpft mit acht Metern Band, wenn eigentlich vier ausreichen würden. Dürfen Sie das überstehende Ende einfach abschneiden?

Ein klares Ja! Die Hersteller fertigen die Gurte ohnehin aus kilometerlanger Ware an. Das Kürzen hat absolut keinen Einfluss auf die Zugfestigkeit oder die Werte, die auf Ihrem Etikett stehen. Seit März 2023 ist dies sogar offiziell in der VDI-Richtlinie 2700 Blatt 3.1 verankert und damit ausdrücklich erlaubt.

Ablegereifer ZurrgurtWenn es brenzlig wird: Einschnitte und Knoten

Hier entscheiden oft Millimeter über die Sicherheit. Erstaunlicherweise beantworten etwa 90 % der Beteiligten die Frage nach Beschädigungen falsch.

Mythen zu Zurrgurten: Die 10 %-Regel gibt es

Ein Zurrgurt darf tatsächlich bis zu 10 % seiner Breite beschädigt sein. Das bedeutet: Bei einem 50 mm breiten Gurt sind Einschnitte von insgesamt in Summe aller Beschädigungen bis 5 mm zulässig.

Wichtig: Diese Schäden dürfen sich ausschließlich an den Webkanten befinden.

Absolutes Tabu: Schnitte oder Risse in der Mitte des Bandes sind niemals zulässig.

Obwohl der Gurt dann noch die zweifache Sicherheit erfüllt, sollten Sie beschädigte Gurte lieber aussortieren, um jedes Risiko zu minimieren.

Zurrgurt mit Band in Öse

Der „Tüdelknoten“: Ein Todesurteil für die Tragkraft

Dass man zwei Enden nicht verknotet, wissen Sie sicher. Aber wie steht es um einen kleinen Knoten zwischendrin?

Denken Sie an eine Angelschnur: Ein Knoten lässt sie bei Belastung sofort reißen. Ein Knoten im Zurrgurt schneidet sich unter Zugkraft selbst ein.

Die Folge ist dramatisch: Ein Gurt mit einer Zurrkraft (LC) von 2.000 daN reißt im Knoten oft schon bei 1.700 bis 1.800 daN.

Knoten sind daher strikt verboten.

Praxistipps: Ruhe im Gebälk und das Haken-Rätsel

Manchmal sind es die kleinen Handgriffe, die den Arbeitsalltag erleichtern.

Schluss mit dem Pfeifkonzert

Wenn Ihr Gurt während der Fahrt vibriert oder pfeift, zehrt das an den Nerven. Die Lösung ist simpel: Drehen Sie den Gurt einmal um die eigene Achse.

Laut der VDI-Richtlinie von 2023 ist dieses einmalige Verdrehen ausdrücklich zulässig. Aber Vorsicht: Mehrfache Umdrehungen schwächen das Material wieder ähnlich wie ein Knoten.

Zurrgurt mit Haken in HakenHaken in Haken? Lieber nicht!

Die Richtung, in die ein Haken zeigt, ist letztlich egal, solange er sicher im Zurrpunkt sitzt und im Hakengrund belastet wird.

Doch Vorsicht bei der Kombination:

  • Das Einhängen eines Hakens in einen anderen ist zwar nicht explizit verboten, aber mehr als riskant.
  • Tests zeigen, dass solche Kombinationen oft nicht die erforderliche zweifache Sicherheit (z. B. 4.000 daN bei einem 2.000 daN Gurt) erreichen.
  • Nutzen Sie nur spezielle Verbindungs- oder Verlängerungshaken der Hersteller.

Das Etikett: Ihr wichtigster Informant

Zurrgurt mit fehlerhaftem Label

Vergessen Sie die Farbe des Gurtbandes – diese hat bei der Ladungssicherung keinerlei Bedeutung für die Kraft. Entscheidend ist allein das Label.

Blau = Polyester (PES) – der Standard bei 99 % der Gurte

Grün = Polyamid (PA)

Braun =  Polypropylen (PP)

Weiß = Hochleistungsfasern wie Dyneema oder HMPE

Wichtiger Hinweis: Hat Ihr Gurt beispielsweise ein rotes oder gelbes Label, entspricht er nicht der Norm und gehört auf den Müll. Auch die eingewebten Streifen (1 Streifen = 500 daN LC) sind lediglich eine Orientierungshilfe und keine verbindliche Vorschrift.

Wann ist es Zeit für den Ruhestand? Die Ablegereife

Sicherheit bedeutet auch zu wissen, wann man loslassen muss. Ein Gurt ist sofort auszusortieren, wenn:

  • das Label fehlt oder unlesbar geworden ist.
  • mehr als 10 % der Webkante beschädigt sind.
  • Einschnitte in der Mitte des Bandes vorliegen.
  • Chemikalien oder Marker (wie Edding) das Material angegriffen haben.
  • die Hardware streikt: Risse an der Ratsche, eine verbogene Schlitzwelle oder ein um mehr als 5 % aufgeweiteter Haken.

CE oder GS? Was kann und was darf?

Viele Zurrgurte tragen ein CE-Zeichen, das ursprünglich aus der Maschinenrichtlinie stammt und auf Produktsicherheit sowie Rückverfolgbarkeit hinweist. In der Ladungssicherung ist das CE-Zeichen jedoch nicht zugelassen. Weder Gurte, Stangen, Netze noch andere Hilfsmittel für die Ladungssicherung dürfen ein CE-Zeichen tragen. Trotzdem sind zahlreiche CE-gekennzeichnete Gurte auf dem Markt zu finden, was zu Verwirrung führen kann.

Gemäß der Norm sind Hersteller verpflichtet, ihre Zurrgurte während der Produktion an verschiedenen Stellen zu prüfen, um die Qualitätsstandards einzuhalten. Wenn diese Prüfungen zusätzlich von unabhängigen Prüfgesellschaften wie TÜV oder Dekra zertifiziert werden, erhalten die Gurte das GS-Zeichen. GS steht für „Geprüfte Sicherheit“ und zeigt an, dass das Produkt offiziell überprüft wurde und den Sicherheitsanforderungen entspricht.

 

Möchten Sie mehr wissen zum Thema Ladungssicherung? Schauen Sie gerne hier in den ➡ Überblick zu unseren aktuellen Lasi-Schulungen – und die Termine der Seminare, die in diesem Jahr noch folgen.

Bei Fragen zu Seminaren oder Unterweisungen

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Zuletzt aktualisiert:

4. März 2026

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