Von Beginn an: Bei der Maschinenentwicklung die Ladungssicherung gleich mitdenken

Immer wieder wird die Ladungssicherung beanstandet – sei es durch Kontrollbeamte, Auditoren oder andere Fachleute. Doch während sich die Diskussion meist um Zurrgurte und Sicherungsmethoden dreht, wird eine fundamentale Frage oft übersehen: Ist die Ladung überhaupt sicherungsfähig? Ein Umdenken bei der Entwicklung von Maschinen ist nötig!

Ladungssicherung ohne Vorplanung

Lässt sich beispielsweise eine Maschine auf einem Transportfahrzeug überhaupt ordnungsgemäß sichern? Gemäß § 412 HGB ist der Absender verpflichtet, das Transportgut so zu übergeben, dass es gesichert werden kann. Das Handelsgesetzbuch behandelt in diesem Zusammenhang vor allem die Haftung bei Schäden – also die Frage, wer haftet, wenn eine Ladung nicht oder nicht richtig gesichert wurde.

Seit einigen Jahren – konkret seit Einführung der technischen Unterwegskontrolle (TuK) im Rahmen der europäischen Richtlinie 2014/47/EU – wird dieses Thema auch von Kontrollbehörden verstärkt aufgegriffen und bewertet.

Praxisbeispiel für „mitgedachte“ Ladungssicherung

Ein Kunde aus dem Maschinenbau, Hersteller großer Bagger, hatte regelmäßig Schwertransporte mit bis zu 13 Fahrzeugen und mehreren Containern für einen Bagger auf der Straße. Im Rahmen eines Seminars (zweitägige Schulung nach VDI 2700a plus Praxistag) verluden wir gemeinsam eine der Maschinen.

Dabei fiel auf, dass wichtige Bauteile – etwa ein 70-Tonnen-Kontergewicht – ursprünglich mit Hebepunkten ausgestattet waren, diese jedoch vor dem Transport abgeflext wurden. Der Mitarbeiter im Versand stand nun ratlos vor dem Bauteil: Es fehlte jede Möglichkeit zur fachgerechten Sicherung. Ähnliche Probleme traten bei weiteren Bauteilen auf, die keine geeigneten Befestigungspunkte hatten.

In der Vergangenheit waren solche Komponenten teilweise nahezu ungesichert unterwegs – bestenfalls mit zwei Ketten in Fahrtrichtung gesichert. Bei diesen Massen bedeutet das ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Ladungssicherung: Handlungsbedarf schon in der Planungsphase

Wir initiierten daraufhin eine Zusammenarbeit mit der Konstruktionsabteilung. Bereits in ersten Gesprächen wurde deutlich, dass es Handlungsbedarf in der Planungsphase gab. Ich konnte konkrete Empfehlungen geben, auf welcher Höhe Befestigungspunkte sinnvoll wären – mit dem Ergebnis, dass heute schraubbare Zurrpunkte an den Bauteilen vorgesehen sind.

Ladungssicherung mit Vorplanung

Diese Lösung ist nachhaltig und effizient: Nach der Montage beim Kunden werden die Zurrpunkte einfach wieder entfernt und für den nächsten Bagger erneut verwendet.

Was für Großmaschinen gilt, gilt auch im Kleinen

Ob Paket oder Palette – auch hier gilt: Die Ware muss so übergeben werden, dass sie transportiert und gesichert werden kann. Ob eine Palette stabil genug ist, um die bei einem Transport auftretenden Kräfte aufzunehmen, lässt sich beispielsweise durch eine Prüfung nach DIN 55415 feststellen (Stichwort: Kipptest).

Warum vorausschauende Planung so wichtig ist

Kostenvermeidung: Nachträgliche Anpassungen für die Ladungssicherung sind deutlich teurer als eine durchdachte Konstruktion von Anfang an. Sondertransporte, spezielle Sicherungsvorrichtungen oder aufwendige Verpackungslösungen können vermieden werden, wenn bereits in der Entwicklungsphase an den Transport gedacht wird.

Rechtssicherheit und Haftungsvermeidung: Eine nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung kann zu schweren Unfällen führen. Die rechtlichen Konsequenzen treffen dabei nicht nur den Transportunternehmer, sondern auch den Verlader und letztendlich den Hersteller. Wer bereits bei der Konstruktion die Transportfähigkeit berücksichtigt, minimiert Haftungsrisiken erheblich.

Praktikabilität und Effizienz: Eine gut durchdachte Konstruktion ermöglicht es, Maschinen und Anlagen schnell, sicher und standardisiert zu verladen. Das spart Zeit, reduziert Fehlerquellen und macht den gesamten Logistikprozess effizienter.

Wettbewerbsvorteile: Unternehmen, die ihre Produkte von vornherein transportfreundlich gestalten, verschaffen sich einen klaren Marktvorteil. Kunden schätzen Lösungen, die sich problemlos und kostengünstig transportieren lassen.

Nachhaltigkeit: Unnötige Sondertransporte, Mehrfachverpackungen oder zusätzliche Sicherungsmaßnahmen belasten die Umwelt. Eine durchdachte Konstruktion trägt zur Nachhaltigkeit der gesamten Lieferkette bei.

Fazit

Ladungssicherung ist nicht nur eine Frage der richtigen Zurrmittel und Sicherungstechniken. Sie beginnt bereits am Reißbrett mit der Frage nach der grundsätzlichen Sicherungsfähigkeit. Unternehmen, die dieses Umdenken vollziehen, investieren nicht nur in die Sicherheit ihrer Transporte, sondern auch in ihre Zukunftsfähigkeit am Markt.

Dieses „Mitdenken“ erfordert Sensibilisierung und wenn nötig auch gezielte Schulungen. Denn nur was sicherungsfähig ist, lässt sich auch sicher transportieren.

Ein Paradigmenwechsel ist nötig: Von der nachträglichen Problemlösung hin zur vorausschauenden Planung. Nur so lassen sich die Herausforderungen der Ladungssicherung nachhaltig und wirtschaftlich lösen.


Möchten Sie mehr wissen zum Thema Ladungssicherung? Schauen Sie gerne hier in den ➡ Überblick zu unseren aktuellen Lasi-Schulungen – und die Termine der Seminare, die in diesem Jahr noch folgen.

Bei Fragen zu Seminaren oder Unterweisungen

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Ein Gedanke zu „Von Beginn an: Bei der Maschinenentwicklung die Ladungssicherung gleich mitdenken

  1. Der entscheidende Punkt war ganz am Anfang: Gespräch mit der Konstruktion Abteilung. Meine immer wiederkehrende Erfahrung andere Kostenstelle, spart 50 €, verursacht bei den ‚Undrdogs‘ vom Versand Kosten von 1.000€. Geschäftsführung schwebt über den Dingen….

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