Wissenscheck zu Zurrgurten: Über 50 % der Fragen werden falsch beantwortet!

Auf unserer Webseite hatten wir eine Umfrage, eine Art Wissenstest, gestartet zum Thema Zurrgurte. Das Ergebnis wollen wir hier nun vorstellen. Die wichtigste Erkenntnis steht schon in der Überschrift und hat uns ziemlich überrascht.

In der Auswertung haben wir nur falsche Antworten gewertet. Fehlende oder unvollständige Antworten haben wir zugunsten der Teilnehmergruppen gewertet. Wenn wir “nur” die falschen Antworten nehmen, dann sind im Mittelwert rund 37 % falsch. Nehmen wir zu den falschen Antworten auch noch die fehlenden Antworten, dann sind heftige 52 % (!) der Antworten nicht in Ordnung.

Zunächst einmal der Hinweis, dass lediglich ein Teilnehmender fehlerfrei geantwortet hat. Wobei hier auch einige Dinge nicht beantwortet waren.

Teilgenommen haben 62 Teilnehmer bis zum Beginn der Auswertung. Es waren genauso viele Fahrer wie Dozenten dabei. Auch waren einige Teilnehmende in mehreren Gruppen zu finden. Während wir einmal einen fehlerfreien Teilnehmer hatten, so hatten wir einmal mit sieben Fehler den schlechtesten Teilnehmenden. Wir hatten 12 x 2 Fehler, 11 x 3 Fehler, 14 x 4 Fehler, 8 x 5 Fehler und 3 x 6 Fehler in diesem Wissenscheck.

Durchschnittlich die meisten Fehler haben dabei die Fahrer mit 3,4 Fehler je Antworten gegeben. Dozenten haben mit 2,7 Fehler im Schnitt das Mittelfeld gebildet, während Kontrollbeamten mit 2 Fehlern am besten abgeschnitten hatten. Im Durchschnitt wurden von jedem Antwortgeber bzw. jeder Antwortgeberin 3,1 Fehler gemacht.

Lediglich eine einzige Frage wurde fehlerfrei von allen Teilnehmer beantwortet: dass immer das Etikett, das Label an den Zurrgurten, vorhanden und lesbar sein muss. Hier haben alle 62 Teilnehmer die richtige Antwort gewählt. Gemäß der DIN EN 12195-2 muss das Etikett immer vorhanden und lesbar sein.

Dass ein Gurt geknotet sein darf, wusste lediglich ein Teilnehmer nicht richtig zu beantworten. Ein Gurt darf nicht geknotet werden, da er dann mehr als 70 % seiner Kraft verliert. Obwohl das Gurtband alleine eine dreifache Sicherheit haben muss, wird dennoch die auf dem Gurt angegebene LC (Lashing Capacity = Zurrkraft im geraden Zug) nahezu nicht mehr erreicht.

Die Frage, welche Farbe ein Etikett haben darf, haben zumindest die meisten mit Blau beantwortet. Die DIN EN 12195-2 lässt neben dem blauen Etikett für Polyester auch grüne und braune Label für Polyamid und Polypropylen zu. Das neue “Hochleistungsgarn” Dynema ist dagegen noch nicht genormt. Daher haben sich die Hersteller hier auf ein neutrales weißes Etikett geeinigt. Daher sind blaue, braune, grüne und ggf. weiße Etiketten an den Zurrgurten zulässig. Alle anderen Farben sollten bei der Nutzung sofort nervös werden lassen. Viermal wurde diese Frage wirklich falsch beantwortet, was eine Quote von 6,25 % falscher Antworten ausmacht. Nehmen wir die unvollständigen Antworten dazu, wären rund 93 % der Antworten betroffen und nicht richtig!

Darf ein Gurt, der zu lang eingekauft wurde, abgeschnitten werden? Diese Frage haben 38 Teilnehmer (rund 61 %) falsch beantwortet. Und das in allen Kategorien der Teilnehmenden verteilt. Warum wird diese Frage so oft falsch beantwortet? Weil es bisher nirgendwo konkret geregelt ist. Die Hersteller sagen jedoch schon immer, dass der Gurt durchaus gekürzt werden darf und lediglich das Ende ein wenig warm gemacht werden soll, damit das Band nicht ausfranst. In der zukünftigen Version der Richtlinie VDI 2700 Blatt 3.1, der Anleitung zur Nutzung von Zurrgurten, wird es auch konkret so drinstehen und erlaubt sein. Wir warten täglich auf die Veröffentlichung der finalen Version der Richtlinie.

29 % der Teilnehmenden haben auf die Frage nach Beschädigung oder Einschnitt der Gurte falsch geantwortet. Das waren mit 18 falschen Antworten deutlich weniger, als wir erwartet hatten. In unseren Seminaren wird diese Frage deutlich schlechter beantwortet. Wenn man in die bereits seit 2006 gültige und derzeit aktuelle Version der Richtlinie VDI 2700 Blatt 3.1 schaut, dann darf ein Zurrgurt bis zu 10 % seiner Breite eingeschnitten oder beschädigt sein. Das Ganze auch in dem Bereich, in dem die Kraft eingeleitet wird. Diese zehn Prozent sind jedoch in Summe auf die gesamte Gurtbandlänge zu betrachten.

Auf die Frage, welche Aussagekraft die Farbe des Gurtbandes hat, gab es 21 falsche Antworten. Das macht rund 34 % Prozent aus. Die Farbe des Gurtbandes ist absolut egal und unwichtig. Wenn Sie ausreichend Gurte bei einem Hersteller ordern, können Sie selbst bestimmen, welche Farbe das Gurtband haben soll.

Wieviele Zurrgurte werden beim Niederzurren benötigt? Eine Frage, die in den Seminaren und Projekten immer wieder für große Fragezeichen sorgt. Die Frage hier lautete, wie viele Gurte beim Niederzurren benötigt werden, wenn die APP eine Sicherungskraft von 3.500 daN fordert. Diese Frage wird in Seminaren bei etwa 95 % der Antworten falsch bewertet. Hier ist es etwas besser: 24 % haben falsch geantwortet. Da beim Niederzurren immer die Vorspannkraft (STF) benötigt wird, kann die Antwort in diesem Beispiel nur lauten: fünf Gurte mit einer STF von 720 daN. Die LC (Lashing Capacity) gilt in der Regel im geraden Zug, wenn Gurte etwa diagonal gespannt sind. Aber niemals beim Niederzurren. Die normale Handkraft (SHF) ist die Kraft, die wir im normal mit unserem Arm einleiten können. Also, bitte beim Niederzurren immer die STF als Angabe nutzen!

Wann hat ein Zurrgurt seine Ablegereife erreicht und darf nicht mehr verwendet werden?

  • Etikett nicht mehr vorhanden oder nicht mehr lesbar
  • Einschnitt von mehr als 10 % seiner Breite
  • Schlitzwelle verformt
  • Ausweitung des Hakenmauls um mehr als 5%

Diese Frage wurde von rund 61 % unvollständig beantwortet und in fast 21 % der Fälle mit falschen Antworten gewertet.

Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Wie herum muss der Haken in den Zurrpunkt eingehängt werden? Es ist schlichtweg egal. Es ist nirgendwo konkret geregelt. Wichtig ist “nur”, dass der Haken im Hakengrund belastet wird und nicht an der Spitze aufliegt. Liegt der Haken im Hakengrund richtig auf, dann kann er sehr gut die auftretenden Kräfte aufnehmen. Diese Frage wurde in fast 31 % der Fälle falsch beantwortet.

In den Richtlinien ist zu lesen, dass ein Zurrgurt nicht verdreht sein darf. Da ist allerdings gemeint: wenn der Gurt auf ein kurzes Stück mehrfach verdreht ist. Dann verliert er ähnlich wie beim Knoten an die 70 Prozent der nötigen Kraft und kommt nicht mal an die LC, die auf dem Etikett zu sehen ist. Wenn der Gurt jedoch einmal um die eigene Achse gedreht ist, dann ist es den Herstellern egal. Viele Fahrer drehen den Gurt einmal um die eigene Achse, damit er bei einer offenen Ladefläche nicht flattert oder Lärm macht. Also: einmal um die eigene Achse ist absolut in Ordnung. Mehr darf es dann aber nicht werden. Diese Frage wurde in fast 92 % der Fälle falsch beantwortet.

Fazit

Wir sind froh, dass wir nicht noch Fragen rund um GS- und CE-Zeichen eingebracht haben. Denn wenn jetzt bereits mehr als die Hälfte der Fragen falsch und/oder unvollständig beantwortet wurden, finden wir das erschreckend. Alleine gut 38 % der Fragen wurden falsch beantwortet.

Jeder, der mit Zurrmitteln zu tun hat, muss darauf unterwiesen sein. Also dürften solche Fehler eigentlich nicht auftreten. Erschreckend ist jedoch auch, dass viele Kollegen diese Fragen falsch oder unvollständig beantworten. Wie soll es dann an der Basis richtig beantwortet werden?

Wir bieten regelmäßige Weiterbildungen vor Dozenten, Fachleuten und auch Kontrollbeamten an. Da werden genau solchen Dinge intensiv besprochen. Ich denke, bei den nächsten Weiterbildungen kommt diese Auswertung auch mal zur Sprache … 🙂

Hoffen wir auf mehr Verständnis und Wissen zum Thema Zurrgurte in naher Zukunft.

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